gempen campus

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Die Geschichte von Gempen und des Gempenturms

Die Gemeinde Gempen liegt etwas unterhalb des Gempenplateau im Kanton Solothurn, der hier in den Kanton Basel-Landschaft ragt. Gempen befindet sich auf 676 m ü. M., und rund 80 Meter höher erhebt sich die weitherum sichtbare Schartenfluh mit dem Gempenturm, einem Aussichtsturm auf 759 m ü. M. Der Stahlfachwerkturm verfügt über fünf Etagen und wurde 1897 erbaut. Über 115 Treppenstufen erreicht man die Aussichtsplattform in 28 Meter Höhe. Sie bietet eine Aussicht ins Baselbiet, das Elsass und die Vogesen, Basel und den Schwarzwald und ist dadurch ein beliebtes Ausflugsziel. Unten beim Eingang befindet sich ein Drehkreuz - der Zutritt zum Turm kostet einen Franken. Von der nächstgelegenen Bushaltestelle ist der Turm in rund 25 Minuten zu Fuss zu erreichen. In der Bärgbeiz Gempenturm gleich neben dem Turm können Sie eine fantastische Aussicht, ein feines Essen und einen romantischen Sonnenuntergang miteinander kombinieren. Die Lage im Schwarzbubenland hoch über der Birsstadt ist einzigartig und die Menükarte verspricht haus­gemachte Leckerbissen.

Das Dorf Gempen
Quelle: Wikipedia

Gempen (lat. campania, spätlat. campus = Gefilde, Ebene) hat eine lange und bedeutende Geschichte. In zahlreichen Höhlen wurden Werkzeuge aus Stein und Feuersteine sowie Eisen gefunden. Diese reichen zurück in die Bronzezeit und jüngere Eisenzeit (etwa 500 v. Chr.). Auf keltische Siedlungen der Rauriker (500–558 v. Chr.) deuten die Grabhügel, die sogenannten Brandgräber, hin.

In römischer Zeit verband eine Passstrasse über das Ramsthal Gempen mit Augusta Raurica (Kaiseraugst). Die Ruine Hilzenstein bei Hochwald soll ein römischer Wachturm gewesen sein.

Nach den Römern kamen um 250 n. Chr. die Alemannen in dieses Gebiet und darauf folgten um 496 n. Chr. die Franken, welche die Grafschaftsverwaltung einführten. Der fränkische Augstgau wurde später in Frickgau und Sisgau aufgeteilt. Gempen kam zum Sisgau. Nach verschiedenen «Handänderungen» kam das Sisgau 1464 zur Stadt Basel. Im 1485 kaufte Solothurn die erste Hälfte der Herrschaft Dorneck mit dem Dorf Gempen. Während des Schwabenkrieges, in welchem das Dorf durch Dorfbrände stark in Mitleidenschaft gezogen wurde, waren Teile von Gempen noch nicht solothurnisch. 1502 konnte Solothurn von Basel die andere Hälfte mit allen Rechten der hohen Gerichtsbarkeit erwerben. Das Gemeindewappen ist ein Zeugnis dieser Zeit.

Spannungen zwischen Basel und Solothurn lösten 1531 beinahe den Galgenkrieg aus (siehe Galgenfels, Galgenstein). Durch Vermittlung von Bern kam zwischen den beiden Kantonen ein Vertrag zustande und bis zum Einfall der Franzosen im Jahre 1792 (französische Revolution) gehörte Gempen zum Bistum Basel. 

Im Zweiten Weltkrieg spielte die Gegend um Gempen eine wichtige strategische Rolle innerhalb der Schweiz. Es gab sogar eine «Division Gempen» der Schweizer Armee. Einige hundert Soldaten waren während des Zweiten Weltkrieges auf dem Gempenplateau stationiert. Auf dem Gempenturm befand sich ein Wach-/Horchposten zur Beobachtung der deutschen und französischen Truppenbewegungen. Auch Luftkämpfe über dem Gempen soll es gegeben haben. So wurde ein amerikanischer Bomber angeschossen, der dann bei Aesch BL notlanden musste.

Aussichtspunkt Gempenplateau
Quelle: Wikipedia

Die höchste Erhebung auf dem Gempenplateau ist der 753 Meter hohe Scharten. An dessen höchsten Punkt steht der 1897 erbaute Gempenturm mit seiner Aussicht über die ganze Region Basel. An klaren Tagen sieht man von dort die Vogesen, den Schwarzwald und manchmal die Schweizer Alpen. Aufgrund seiner unmittelbar südöstlich des Turmes gelegenen Fluh – der Schartenfluh – ist der Scharten von weither zu sehen. Er wird umgangssprachlich auch als «Gempenstollen» oder schlicht als «der Gempen» bezeichnet. Der Name «Gempenstollen» ist eigentlich falsch, da sich der «Stollen» bei den «Stollenhäusern» in Richtung Schönmatt/Arlesheim befindet. Das Gempenplateau mit den Gemeinden Büren, Dornach, Gempen, Hochwald, Nuglar-St. Pantaleon und Seewen befindet sich im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BLN).

Die Zahnradbahn
Quellen: «Au weni Härd macht langi Wurzle», Elisabeth Kutzli / Botschaft des Bundesrates (9.10.1902)

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde Europa von einer Eisenbahn-Euphorie heimgesucht. Die entstehende Industrie brauchte neue neue Verkehrswege, um vom internationalen Absatzmarkt zu profitieren. Die Erfindung der Dampflokomotive brachte eine Revolution des Verkehrswesens mit sich. Bald wurde überall in Europa hektisch mit dem Ausbau des Eisenbahnnetzes begonnen.

In Dornach begann das Eisenbahnzeitalter mit der Eröffnung der Jurabahn (heute SBB Basel-Delémont) im Jahre 1875. Im Jahre 1902 wurde mit der Birseckbahn (heute BLT Tramlinie 10 Richtung Basel-Rodersdorf) eine zweite Verbindung nach Basel geschaffen.

Doch nicht alle Bahnprojekte wurden auch ausgeführt. Am 2. Dezember 1902 haben die Herren Ch. Dreyfuss und H. Weiss aus Basel an den Schweizerischen Bundesrat ein Konzessionsgesuch für eine Zahnradbahn eingereicht, die von Dornach (Station Dornachbrugg) nach Gempen und auf die Schartenflueh führen sollte. «Laut dem allgemeinen Berichte wird Gempen und die 760 Meter über dem Meere gelegene Schartenfluh (Gempenfluh) im Kanton Solothurn, 3 Kilometer von Dornach-Arlesheim und 8 Kilometer von Basel entfernt, jährlich von 15'000 Personen besucht, welche die mannigfaltige Aussicht auf die Alpen, den Jura, die Vogesen, den Schwarzwald, das Rheintal etc. genießen, oder mit den auf dem Hochplateau gelegenen Ortschaften verkehren. Der Besuch werde nach dem Bau der projektierten Bahn ein bedeutend größerer sein, und es sei in Aussicht genommen, daß auf jener Höhe Pensionen für Erholungsbedürftige, die Ruhe und reine Luft aufsuchen, erstehen werden. Alle Bedingungen hierzu seien vorhanden, die wundervolle Lage, der gegen Nordwind schützende Wald, ebene beschattete Spaziergänge, die zweckmäßige Höhe, welche übereinstimme mit den Luftkurorten des Weissenstein, von Langenbruck, des südlichen Schwarzwaldes etc.» (siehe Dokument BBl 1902 IV 603)

Das Projekt sollte von einer Aktiengesellschaft finanziert werden, die jedoch zur Zeit des Konzessionsgesuchs noch zu bilden war. Das benötigte Kapital machte nach dem Kostenvoranschlag des Jahres 1901 670'000 Franken aus. Nachdem der Regierungsrat des Kantons Solothurn sich am 18. Juli 1902 mit einer Konzessionserteilung einverstanden erklärt hatte und auch die Verhandlungen zwischen den Gesuchsstellern und den Vertretern des Eidgenössischen Eisenbahndepartements am 2. Oktober 1902 zur allgemeinden Zufriedenheit verlaufen waren, wurde am 19. Dezember 1902 durch Bundesbeschluss den Herren Dreyfuss und Weiss die Konzession der Zahnradbahn auf die Dauer von 80 Jahren erteilt.

Die Strecke wurde im technischen Bericht beschrieben: «Die Zahnradbahn beginne auf der Ostseite der Station Dornach-Arlesheim, siehe sich in östlicher Richtung durch Wies- und Weideland, nachher durch Wald bis zur Station Gempen, die 500 Meter vom Dorfe Gempen liege, und zwar auf gleicher Höhe mit dem oberen Teil desselben. Von hier aus beige sie in einer scharfen Kurve nach Westen um und erreiche das Plateau der Schartenfluh (Gempenfluh).» Die ganze Strecke sollte 4'200 Meter betragen und eine Höhendifferenz von 462 Metern überwinden. Ein eingleisiger Betrieb war geplant mit einer Spurbreite von einem Meter. Um die Steigung zu überwinden, sollten Abtsche Zahnstangen verwendet werden. Dampflokomotiven sollten angeschafft und offene und geschlossene Personenwagen sowie offene Güterwagen verwendet werden. Auf an eine spätere Elektrifizierung der Strecke wurde gedacht.

Artikel 5 der Konzession des Jahres 1902 verlangte: «Binnen einer Frist von 12 Monaten, vom Datum des Konzessionsaktes an gerechnet, sind dem Bundesrat die vorschriftsmässigen, technischen und finanziellen Vorlagen nebst den Statuten der Gesellschaft einzureichen.» Vermutlich stellte sich die Finanzierung des Unternehmens schwieriger dar als gedacht, da die Frist zur Einreichung der Unterlagen in den Jahren 1903, 1904, 1905 und 1910 verlängert wurde, ohne dass jemals die vom Bundesrat verlangten Unterlagen eingereicht wurden. Am 18. Januar 1911 berichtete das Eidgenössische Post- und Eisenbahndepartement Herrn Dreyfuss, dass eine weitere Fristverlängerung auf Ablehnung stosse, da «die Finanzierung des Bahnprojektes keine Fortschritte gemacht hat und dass überhaupt keine wesentlichen Anstrengungen gemacht worden sind, um rechtzeitig den Auflagen der Konzession zu genügen.» Am 18. September 1911 wurde Herrn Dreyfuss vom Eisenbahndepartement mitgeteilt, das Fristverlängerungsgesuch sei als zurückgezogen zu betrachten, wenn bis Ende 1911 die Auflagen des Bundes nicht erfüllt würden. Dieses letzte, unauffindbare Dokument zum Dornacher Zahnradbahnprojekt lässt vermuten, dass das Unternehmen mangels gesichterer Finanzierung gescheitert ist.

100 Jahre Gempenturm
Quelle: Dr Schwarzbueb 1998, Peter Jäggi (Dornach) / Verein Liestal Tourismus

Der Blick schweift zur Ruine Dorneck, darüber hinweg auf Dornach, auf die Dörfer des Leimentals, zur Landskron, zum Blauen, in die Juraketten. Wer kann es den Leuten zu Ende des letzten Jahrhunderts verargen, wenn sie noch höher steigen, noch mehr sehen wollten! War nicht in Paris der in den Himmel ragende Eiffelturm gebaut worden? Wie schön müsste die Rundsicht von einem Aussichtsturm auf dieser Gempenfluh sein! Die Idee wurde in Tat umgesetzt. Eine Turmgesellschaft brachte das nötige Geld zusammen. Der Bau wurde in Angriff genommen. Am 15. Juni 1897 fanden die feierliche Einweihung und Eröffnung statt. 28 Meter hoch ragt er seither stolz als Wahrzeichen unserer Landschaft empor, wie ein Leuchtturm, wenn nachts seine grünen Neon-Lampen weithin sichtbar strahlen. Wind und Wetter umtoben ihn. Er aber steht trutzig und festgeschraubt auf seinen Fundamenten. Doch hat der Rost auch schon an seinen stählernen Streben genagt. Er musste neu gestrichen oder gar sandgestrahlt werden. Seit 1954 gehört der Turm der Besitzerfamilie des Restaurants «Gempenturm». 1907 wurde dieses Restaurant gebaut. Die Wanderer, die vom Birs- oder vom Ergolztal emporstiegen, freuten sich hier ein Restaurant vorzufinden und sich erfrischen zu können.

Wer den Turm besteigen will, muss ein Einfrankenstück einwerfen - Unterhalt und Beleuchtung kosten viel Geld -, damit sich die eiserne Drehtür öffnet. Dann steigt man auf den Wendeltreppen empor, höher und höher, Plattform um Plattform, bis man die fünfte und letzte erreicht hat. (Wer nicht schwindelfrei ist, bleibt lieber zurück.) Jetzt weitet sich der Blick, man atmet tief, man fühlt sich frei, dem Himmel nahe. Unter sich das Dach der grünen Baumkronen, im Norden das Häusermeer der Stadt Basel mit seinen Vororten, am Horizont die Vogesen und der Schwarzwald, im Süden die lieblichen Juraketten. An besonders klaren Tagen lässt sich sogar noch ein Blick auf ein Spitzchen der schneebedeckten Alpen erhaschen.

Einige Jahre vor der Eröffnung des Gempenturms wurde in Liestal im Jahre 1891 der ein hölzerner Aussichtsturm (Höhe 24m) durch den Verkehrs- und Verschönerungsverein Liestal (gegr. 1889) durch Spenden aus der Bevölkerung finanziert. Am Fusse des Turms wurde eine Wirtschaft gebaut, die im Laufe der Zeit vergrössert und modernisiert wurde. Ist die Fahne auf dem Turm gehisst, ist die Wirtschaft offen. Im Jahr 1900 wird der Holzturm durch einen Blitzschlag zerstört. Eine Stahlkonstruktion von 30m Höhe ersetzt die Holzkonstruktion und erinnert in ihrer Bauart an den berühmten Eiffelturm in Paris (siehe auch aussichtsturm-liestal.ch)

Eigentümer des Restaurant Gempenturms
1914-19xx EigentümerIn unbekannt
19-xx-1945 Ruedi Vögtli
1945-1956 Frau von Ruedi Vögtli, Le Landeran
1956-2007 Marie & Marcel Vögtli, Hochwald
2007-2019 Hansruedi Kellenberger, Gempen
2019-heute Roman Caduff, Gempen

Touristische Wertschöpfungsstudie Kanton Solothurn Tourismus
Quelle: Kanton Solothurn Tourismus

Im Jahr 2017 wurde im Kanton Solothurn eine gross angelegte Wertschöpfungsstudie im Auftrag von Kanton Solothurn Tourismus erstellt. Dabei wurde an diversen touristischen Ausflugsorten eine qualitative und quantitative Befragung durchgeführt. Der Standort Gempenturm ist Teil der Studie. Bei der Befragung stellte sich heraus, dass 38% der Besucher Wanderer sind, 32% mit dem Velo/Bike unterwegs sind, 3% mit dem Motorrad anreisen, 38% das Restaurant besuchen, 2% Familie oder Freunde besuchen und 44% wegen dem Aussichtsturm anreisen. 37% der Besucher reisen mit einer Partnerin/einem Partner, 30% sind alleine unterwegs, 17% mit der Familie und 16% mit Freunden. 39% geben an mit dem Auto anzureisen, 12% sind mit dem Postauto unterwegs, 6% mit dem Motorrad und 43% mit dem Velo oder zu Fuss. Durchschnittlich verweilen die Besucher 2.8 Stunden beim Gempenturm. Der Tagesgästenanteil beträgt 95%. Die folgende Grafik zeigt, dass  41% der Gäste Einheimische sind, 5% aus dem übrigen Kanton Solothurn, 59% aus der übrigen Schweiz, 9% aus den Nachbarländern und 3% aus dem übrigen Ausland.